DGA Aktuell

Konferenzbericht der DGA-Tagung 2005


Wissenschaftliche Tagung der DGA: Regionale politische und wirtschaftliche Kooperation in Asien

Japanisch-Deutsches Zentrum, Berlin, 16.-17. September 2005

Konferenzbericht von Katja Levy, ASIEN 98 (S. 97–102)

Die wissenschaftliche Tagung „Regionale politische und wirtschaftliche Kooperation in Asien“, die von der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde (DGA) zusammen mit dem Institut für Asienkunde und dem Ostasiatischen Verein organisiert wurde, fand wieder auf Einladung des Deutsch-Japanischen Zentrums in dessen Räumen in Berlin statt. Den einleitenden Vortrag hielt Philippe Bénédic, der Resident Director General der Asian Development Bank (ADB) in Frankfurt. Anschließend wurde der Vortrag in einer gemeinsamen Runde diskutiert. Das Thema regionale Kooperation wurde dann in drei parallelen Workshops zu den verschiedenen Aspekten Sicherheit, Wirtschaft sowie Georisiken und Katastrophenschutz eingehender untersucht und den ersten Tag abschließend noch einmal im großen Plenum gemeinsam besprochen. Am zweiten Tag des Symposiums trafen sich die Teilnehmer zu einer weiteren gemeinsamen Runde zur Diskussion von Beiträgen, die sich mit der regionalen Kooperation diesmal aus der Sicht der asiatischen Großmächte Indien, China und Japan auseinandersetzten. Im Folgenden werden die einzelnen Debattenbeiträge zusammenfassend skizziert: Der französische Ökonom Philippe Bénédic sprach einleitend über die Bedeutung regionaler Institutionen für die weitere Entwicklung Asiens. Er stellte zunächst fest, dass sich in Asien die regionale Kooperation in den letzten Jahren signifikant entwickelt habe. Aus seiner Sicht liegen die Ziele regionaler Kooperation in Asien in der Erreichung eines kontinuierlichen wirtschaftlichen Wachstums, der beschleunigten Armutsbekämpfung und der verbesserten Stabilität in der Region. Als Vorteile der regionalen Kooperation nannte Bénédic die schnelle Zunahme des Handels innerhalb der Region, die Ausnutzung der Synergiepotenziale der einzelnen asiatischen Länder in der Warenproduktion, die verbesserte regionale Infrastruktur und die Tatsache, dass die finanzielle und monetäre Kooperation in der Region es ermögliche, zukünftige Krisen besser abzufedern und dadurch international zu finanzieller Stabilität beizutragen. Er nannte zwei Beispiele für erfolgreiche Kooperation, an denen die ADB aktiv beteiligt war: zum einen regionale Kooperationsprojekte, die sich um verbesserte Verbindungen, Wettbewerbsfähigkeit und Gemeinschaft bemühten; zum anderen Finanz- und monetäre Kooperations- und Integrationsprojekte. Der Vertreter der ADB schloss seinen Vortrag mit einer kurzen Darstellung der Vorzüge regionaler Finanzinstitute wie der ADB. Diese Keynote von Bénédic wurde gefolgt von einer kurzen, aber lebhaften Diskussion. Anschließend teilte sich das Plenum in drei parallele Workshops auf: Workshop 1: Sicherheit In diesem Workshop hatte Dr. Doris Fischer von der Universität Duisburg-Essen den Vorsitz. Zunächst hielt Dr. Howard Loewen vom Institut für Asienkunde in Hamburg ein Referat über „Regionale Kooperation im Kampf gegen internationale Kriminalität und Terrorismus“. Dr. Loewen stellte zunächst fest, dass die Länder in der Region Asien in Fragen der Sicherheit hochgradig voneinander abhängig sind. Die Attentate vom 11. September 2001 und das Bali-Attentat von 2002 bilden zwei wichtige Einschnitte im bisherigen Verlauf der Terrorbekämpfung in Asien. Vor dem 11. September wurde der Terrorismus allein als internes Problem erachtet, erst danach sei man sich über die internationale Dimension bewusst geworden. Trotzdem ist multilaterale Kooperation in der Region weiterhin kaum eine Option für die Terrorismusbekämpfung. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die USA, die finanzielle Unterstützung im Kampf gegen den Terror bieten. Erst nach dem Attentat auf Bali 2002 sei, so Dr. Loewen, Terrorismus erstmals als regionales Problem wahrgenommen worden. Hinzu kam die transnationale Komponente, dass es Festnahmen von Terrorverdächtigen in verschiedenen Ländern gab. Allerdings hätten sich die wenigen multilateralen Ansätze, die bisher in der Region angestrebt wurden, wenig effektiv gezeigt. Dr. Loewen sah verschiedene Faktoren dafür verantwortlich, dass die Kooperation in der Region nicht funktioniere. Zum einen läge das an der unterschiedlichen Wahrnehmung des Problems: Einige Länder betrachten den Terrorismus ausschließlich als regionales Problem, andere als rein politisches Problem, für USA-geprägte Länder steht die Verbindung zu Al Qaeda-Terroristen im Vordergrund. Dementsprechend verfahren die einzelnen Staaten nach unterschiedlichen Strategien, die zwischen einem harten Kurs gegenüber den Terroristen und einer eher gemäßigteren Behandlung des Problems vor allem in Staaten mit einem hohen Anteil an muslimischer Bevölkerung rangieren. Dr. Loewen kam abschließend zu dem Fazit, dass die Kooperation gegen den Terror in der Region Asien eher bilateraler Natur als multilateral und extrem von der Forderung der Nichteinmischung in innere Angelegenheiten geprägt sei. Dr. Frank Umbach von der Deutschen Gesellschaft für Außenpolitik hielt anschließend einen Vortrag mit dem Titel „Rohstoff- und Energieverteilung: Konfliktpotenzial für die Region?“. Dr. Umbach stellte fest, dass der Energiebedarf Asiens enorm sei und in Zukunft noch zunehmen werde. Dabei sei die Abhängigkeit Asiens von Rohölimporten aus dem politisch instabilen Nahen Osten höher als die Europas und der USA. Die Energieversorgung in Asien, allen voran Chinas, sei ein wesentlicher Faktor für eine Prognose über die Stabilität der Region, wie die geopolitischen Konflikte Chinas mit Japan der letzten Zeit belegten. Im Energie- und Rohstoffbereich sei die multilaterale Zusammenarbeit vor allem in Nordostasien noch kaum entwickelt, während in Südostasien zumindest erste Strukturen schon vorhanden seien. Japans Vorschlag einen strategischen Ölvorrat für die Region anzulegen, hätte bisher kaum Anklang gefunden. Chinas unilaterale Versorgungssicherungen zögen ähnliches Vorgehen anderer Staaten, z.B. Indien, nach sich. Das Risiko von Ressourcenkonflikten steige. Dr. Sebastian Bersick, EIAS Brüssel, kommentierte als Discussant die beiden Referate. Dabei stellte er die Bedeutung der Schaffung von gemeinsamen Institutionen in der Region besonders heraus, betonte das wachsende Risiko für Asien durch immer stärkere Interdependenzen und fragte nach der Anwendbarkeit von europäischen Modellen der Konfliktverhütung und der Rolle der Zivilgesellschaft. Dr. Loewen und auch Dr. Umbach waren sich darüber einig, dass die Zivilgesellschaft in der Frage der regionalen Kooperation in Asien kaum eine Rolle spiele. Dr. Umbach plädierte für einen stärkeren Austausch zwischen europäischen und asiatischen Wissenschaftlern. In der anschließenden Diskussion schwankten die Ansichten zum Konfliktpotenzial der Energiefrage in Asien zwischen der Meinung, dass es sehr wahrscheinlich zu einem militärischen Konflikt kommt, und der Ansicht, dass die asiatischen Staaten prinzipiell sehr an Stabilität in ihrer Region interessiert sind und ein Konflikt daher eher nicht ausgetragen wird. Bezüglich des Vorgehens gegen den Terrorismus wurde die Frage aufgeworfen, ob es auch Möglichkeiten regionaler Kooperation ohne die USA geben könnte. Workshop 2: Wirtschaft Dr. Margot Schüller vom Institut für Asienkunde in Hamburg leitete den Workshop und fungierte auch als Discussant. Das erste Referat hielt Dr. Heribert Dieter von der Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin zum Thema: „Die Welle bilateraler Freihandelsabkommen im asiatisch-pazifischen Raum“. Dr. Dieter konstatierte die Zunahme von bilateralen Freihandelsabkommen in Ostasien und stellte die These auf, dass diese Tatsache negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Region haben würde. Aus seiner Sicht seien die multilateralen Handelsliberalisierungen durch die WTO zu bevorzugen, denn bei bilateralen Abkommen unterlägen grundsätzlich die schwächeren Abkommenspartner. Zudem fehle es in bilateralen Abkommen an effektiven Mechanismen der Streitschlichtung. Dr. Hanns Günther Hilpert, ebenfalls von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, schloss an mit einem Vortrag über „Wirtschaftliche Kooperation zwischen der VR China und den ASEAN-Staaten“. Weniger skeptisch als sein Kollege Dieter bemerkte Dr. Hilpert, dass die wirtschaftliche regionale Integration in der ostasiatischen Region zugenommen habe und es dabei grundsätzlich keinen Widerspruch zwischen bilateralen Abkommen und regionaler Integration gebe. Der Grund dafür liege in der wachsenden Bedeutung Chinas: Durch die Intensivierung des Wettbewerbs seien ein Anpassungsdruck und damit zunehmend Wachstumsimpulse in der Region entstanden. Darüber hinaus habe China ein vitales Interesse an einer zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Kooperation. Dieser Trend wird sich nach Dr. Hilpert durch ein Freihandelsabkommen zwischen China und ASEAN noch verstärken. Problematisch sei allerdings bei aller Zuversicht, dass nur die starken ASEAN-Staaten von Chinas Aufstieg profitierten. Mit seinem Referat zum Thema „Perspektiven asiatischer Währungsintegration“ beendete Prof. Dr. Bernd Hayo von der Universität Marburg die Panelrunde. Zunächst stellte er fest, dass sowohl einseitige Wechselkursbindungen als auch freie Wechselkurse für die Staaten in Asien problematisch seien (hohe Volatilität, fehlendes Gleichgewicht, Gefahr eines Abwertungswettlaufs). Eine regionale Währungsunion könnte nach Prof. Hayo ein Lösungsweg sein. Allerdings gebe es dabei zwei problematische Aspekte: Zum einen wäre eine Währungsunion durch die unterschiedlichen wirtschaftlichen Niveaus und Konjunkturzyklen erschwert. Zum anderen stünden einer solchen Vereinigung auch politische Faktoren im Weg: Die Kolonialvergangenheit und die Dominanz der „nationalen Egoismen“. Trotz alledem hält Prof. Hayo eine Währungsunion in der Region grundsätzlich für möglich. In der anschließenden Diskussion wurden besonders drei Aspekte herausgegriffen: Erstens die Frage, ob bilaterale Handelsabkommen tatsächlich so negativ zu beurteilen seien, wie Dr. Dieter es in seinem Vortrag vorschlägt. Zweitens die allgemeine Skepsis gegenüber einer asiatischen Währungsunion. Und schließlich drittens die Frage, welche Bedeutung die zentralen Akteure – die USA, die VR China und Japan – in dieser Frage spielen. Dabei wurde festgestellt, dass die Bedeutung der USA abnehmen werde, während die Rollen Chinas und Japans weiterhin sowohl wichtig als auch umstritten bleiben werden. Workshop 3: Georisiken und Katastrophenschutz Den Vorsitz des Workshops übernahm Prof. Dr. Frauke Kraas, Universität zu Köln. In ihren einleitenden Worten wies sie auf die ursächliche Rolle des Menschen bei Naturkatastrophen hin, der in Risikoregionen vordringe und Georisiken wie Unfälle, Epidemien, Terrorismus und Hungerkatastrophen mit verursache. Sie stellte die Frage zur Diskussion, ob es einen Katastrophenschutz, eine tatsächliche Prävention überhaupt geben könne. Prof. Dr. Dr. Karl-Heinz Pfeffer von der Universität Tübingen eröffnete mit seinem Referat „Natur versus Mensch – zum Gefahrenpotenzial der Ökumene in Asien“ die Vortragsrunde. Prof. Pfeffer stellte die Gefahren im Erdinneren (Plattentektonik) und das zum Teil durch den Menschen veränderte Wettergeschehen in der Region dar. Er hält die Vorhersagemodelle für Erdbeben für ineffektiv, stattdessen seien nur Warnsysteme wirklich sinnvoll. Beim Wetter spielen vor allem die mächtigen Taifune in Asien eine unheilvolle Rolle. Deren Wirkung wird durch die durch Eingriffe des Menschen verursachte Erosion des Bodens an ursprünglich mit Pflanzen bedeckten Hängen noch verstärkt. Hier seien vor allem Abflusswassermanagement und Küstenschutz die wichtigsten Präventionsmaßnahmen. Mit seinem Referat zum Thema „Der Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems im Indischen Ozean – Stand und Ausblick“ stellte Dr. Jörn Lauterjung, GeoForschungsZentrum Potsdam, den Stand der Technik von Tsunami-Frühwarnsystemen dar. Dabei betonte er besonders auch die Bedeutung des Trainings von Personal in der Region und die Information der Bevölkerung sowie den Unterschied zwischen Sofort- und Langzeitmaßnahmen bei der Tsunami-Prävention. Dr. Lauterjung unterstrich am Ende seines Vortrags auch die wichtige Rolle der institutionellen Partner aus Regierung und Zivilgesellschaft und betonte die Notwendigkeit ausreichender finanzieller Mittel für den Aufbau eines effektiven Frühwarnsystems. Ulrich Nitschke von der Servicestelle – Partnerschaftsinitiative SPI, InWEnt, Bonn stellte diese mit dem Referat „Der Beitrag deutscher Kommunen im Rahmen der Partnerschaftsinitiative nach dem Tsunami“ vor. Nitschke betonte die besondere Rolle, die die Kommunen in diesem Hilfsmodell spielen, obwohl sie sich selbst in prekärer finanzieller Lage befinden. In der anschließenden Diskussion unter fachkundiger Leitung von Dr. Johannes Hamhaber, Universität zu Köln, kristallisierte sich vor allem die Frage nach einer noch weiter gehenden Kooperation verschiedener gesellschaftlicher Kräfte in der Tsunamihilfe heraus. Zum Abschluss des ersten Tages traf sich das gesamte Plenum unter dem Vorsitz der Geschäftsführerin der DGA, Christine Berg, noch einmal, um die Berichte der Rapporteure aus den drei Arbeitsgruppen zu hören und abschließend zu diskutieren. Am zweiten Tag wurde die Tagung im großen Plenum fortgeführt. Dr. Günter Schucher, Direktor des Instituts für Asienkunde in Hamburg, leitete die Diskussion. Zunächst stellten die Panelteilnehmer die Frage regionaler Kooperation unter dem Blickwinkel je  eines Landes der Region dar. Dr. Kay Möller, Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin, eröffnete das Panel mit der VR China. China hätte als einziger Akteur in der Region schon eigene Vorstellungen zur Frage der regionalen Kooperation vorgelegt. Trotz der vermehrten Aktivität Chinas in den letzten Jahren in dieser Frage sieht Dr. Möller allerdings keinen Trend weg vom Gleichgewicht in der Region hin zu mehr Multilateralismus. In Asien herrsche ein anderes Verständnis von Multilateralismus vor als im Westen, wo Multilateralismus auch die teilweise Aufgabe der staatlichen Souveränität bedeute. In den regionalpolitischen Konzepten, die die VR China bisher vorgelegt habe, sei nie die Absicht geäußert worden, auf Teile der eigenen Souveränität zu verzichten. In dieser Hinsicht hätten Indonesien und auch Südkorea bereits Ansichten, die eher dem westlichen Modell entsprächen. Zwar gebe es wirtschaftliche Handlungsanreize für eine regionale Kooperation, sicherheitspolitische Anreize fehlten jedoch. Für Dr. Möller ist die US-Präsenz die Voraussetzung dafür, dass sich eine Gemeinschaft dort herausbildet. Eine regionale Gemeinschaft sei ohne eine klare Führungsmacht nicht denkbar. Für diese Rolle stehen die VR China und Japan in Konkurrenz. Während sich die VR China durch seine aktive Vermittlerrolle in Nordasien (Nordkoreakonflikt) für diese Rolle empfehle, lehne Südasien eine solche chinesische Dominanz ab und stütze eher Japan. Der erstarkte Nationalismus in Asien sei zudem ein weiteres Hindernis auf dem Weg zu einem Zusammenschluss. Dieses Hindernis könne nur mit Demokratie überwunden werden. Prof. Dr. Verena Blechinger-Talcott von der FU Berlin stellte die Situation aus der Sicht Japans dar. Japan sei noch immer Kern der wirtschaftlichen Aktivität der Region, besonders nachdem die Wirtschaft ihr Wachstum wieder aufgenommen habe und die faulen Kredite behoben seien (China sei in diesem Punkt noch nicht so weit). Die USA bleiben weiterhin wichtigster Partner für das Land. Allerdings wächst die Bedeutung der Region für Japan stetig. Prof. Blechinger-Talcott hält eine Institutionalisierung im Sicherheitsbereich in der Region für eher unwahrscheinlich. In wirtschaftlicher Hinsicht ist die regionale Kooperation essenziell wichtig für Japan. Das Land leistet einen bedeutenden Beitrag für die Entwicklungshilfe in der Region und hat sich im Technologieexport derartig etabliert, dass es in den Nachbarstaaten investieren, die Schlüsseltechnologien aber im eigenen Land verbleiben konnte. Im politischen Bereich bieten sich für Japan regionale Lösungsansätze für transnationale Probleme an, besonders in den Bereichen Umweltschutz, Energie, Urheberrecht, Migration, transnationale Kriminalität, Cyber Security und Infektionskrankheiten. Hindernisse für eine regionale Kooperation sieht Prof. Blechinger-Talcott vor allem in den unbewältigten historischen Konflikten, in den Territorialkonflikten, dem Nationalismus, in Japans Rivalität gegenüber China und nicht zuletzt in der engen Bindung Japans an die USA. Sie stellte zwei Thesen auf: Erstens sei die regionale Kooperation für Japan wichtig, denn sie bedeute Stabilität, Vertrauen in der Region, ein Gegengewicht zu den USA, die Sicherung wirtschaftlicher Investitionen und die Lösung neuer transnationaler Probleme. Zweitens betreibe Japan die Strategie der „Leadership from behind“, da eine offizielle Führungsrolle nicht möglich sei. Dies bedeute, dass Japan eine stille Kooperation mit den USA auf regionaler Ebene betreibe, den Fokus weniger auf Institutionen als auf Netzwerken lege, nicht-staatliche Akteure und die Wirtschaft einbeziehe und die auswärtige Kulturpolitik als Mittel der Vertauensbildung benutze. Daraus ergeben sich nach Prof. Blechinger-Talcott folgende Implikationen für die regionale Kooperation in Asien: ein offener Regionalismus unter Einbeziehung der USA, ein Trend hin eher zu informellen Netzwerken als zu einer Institutionalisierung und schließlich die Nutzung globaler Foren wie der WTO, auch im Hinblick auf regionale Fragen. Dr. habil. Christian Wagner, Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin, stellte die Situation aus indischer Perspektive dar: Die Außenpolitik Indiens habe sich in den letzten Jahrzehnten deutlich gewandelt. Durch die wirtschaftliche Liberalisierung 1992 habe die Bedeutung der Außenpolitik zugenommen. Indien habe weiche und harte Großmachtambitionen entwickelt und zudem habe sich die internationale Konstellation verändert: Sowohl die USA als auch die VR China und die EU werben heute massiv um Indien. Indiens Beziehungen mit der Region Südasien sind weniger wirtschaftlicher als vielmehr politischer Natur. In Fragen der Sicherheitspolitik und der Terrorismusbekämpfung hat Indien bei seinen Nachbarn eher einen unbeliebten Status (regional bully). Seine Beziehungen zum südlichen Asien und zu Ostasien sind dagegen vor allem durch Wirtschafts- und Handelsbeziehungen geprägt und in Fragen der Sicherheit und der Terrorismusbekämpfung gibt es mehr Übereinstimmung. Ziel der indischen Außenpolitik in der Region ist der Aufbau zur Großmacht in Asien. Dr. Wagner ist der Auffassung, dass die Wirtschaft zwar wichtig, die Kommunikation jedoch noch sehr mangelhaft und der Umweltschutz noch nicht durchgesetzt sei. Im südlichen Asien sei eher das institutionelle Modell wichtig. Ziel seien vertrauensbildende Maßnahmen, die die indischen Großmachtambitionen unterstützen sollen. In der abschließenden Diskussion wurde vor allem noch einmal die Rolle Japans in der Region beleuchtet. Dr. Theo Sommer, alter und neu gewählter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Asienkunde, fasste in seinem kurzen Schlusswort die zweitägige Veranstaltung in Berlin zusammen und stellte fest, dass die Tagung wieder einmal gezeigt habe, wie aktuell und wenig weltfremd die deutsche Asienkunde sei. Die Autorin des Tagungsberichts gelangt zu einem ähnlich guten Eindruck der Veranstaltung. Besonders positiv hervorzuheben ist die systematische Beleuchtung des Themas durch die sinnvoll aufeinander abgestimmten Themenbereiche der einzelnen Vortragenden. Dem JDZB sei für seine hervorragende organisatorische Arbeit der diesjährigen Tagung der DGA sehr herzlich gedankt. Katja Levy

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