DGA Aktuell

Tätigkeitsbericht für die Jahre 1995-1996

Tätigkeitsbericht der Geschäftsführung für die Jahre 1995 und 1996

1 Allgemeine Entwicklung der Gesellschaft

Die Entwicklung im asiatisch-pazifische Raum war im Berichtszeitraum – wie auch schon in den Vorjahren – von großer wirtschaftlicher Dynamik und weitgehender innenpolitischer Ruhe geprägt. Allerdings waren in einigen Ländern durchaus auch – bisher ungekannte – Unsicherheitsempfindungen über die Dauerhaftigkeit des Wirtschaftswachstums zu erkennen. Die deutsch-asiatischen Wirtschaftsbeziehungen haben sich seit der Gründung des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deut- schen Wirtschaft (APA) stetig entwickelt, und auch im politischen Bereich ist – abgesehen von den Irritationen im Verhältnis zur VR China wegen der Tibet-Frage – weitgehend Stabilität zu verzeichnen. Als wichtige Eckdaten seien hier das Asia-Europe Meeting in Bangkok im März 1996 und die Reise des Bundeskanzlers nach Japan im November 1996 genannt. In der akademischen Öffentlichkeit hat sich das große Interesse an der Region erhalten, wenn nicht sogar noch weiter erhöht, so daß die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde weiterhin günstige Bedingungen vorgefunden hat, ihre selbstge- stellte Aufgabe zu erfüllen, die Auseinandersetzung mit dem und das Wissen über den heutigen asiatisch-pazifischen Raum in Deutschland zu vergrößern. Dies spiegelt sich vor allem in der Mitgliederentwicklung und in der Verbreitung der Zeitschrift ASIEN wider, aber auch darin, daß sich die Gesellschaft gegenüber dem Asien-Pazifik-Ausschuß der Deutschen Wirtschaft als Repräsentant der Asienwissenschaft profilieren konnte. Darüber hinaus ist die DGA auch auf internationaler Ebene als Ansprechpartner für die deutschen Asienwissenschaften aufgetreten.

2 Mitgliederentwicklung

Seitdem die Mitgliederzahl von 1993 auf 1994 erstmals seit Ende der 80er Jahre wieder gestiegen ist, hat auch in den letzten beiden Jahren dieser positive Trend weiter angehalten. Bemerkenswert ist dabei der Anstieg der Zahl der studentischen Mitglieder (s. Tabelle). Die Werbung für die Gesellschaft erfolgte auch im Berichtszeitraum vor allem mit Hilfe von Anzeigen für unsere Zeitschrift ASIEN:

  • Es wurde ein Faltblatt zur Mitgliederwerbung erstellt.
  • In den Zeitschriften des Instituts für Asienkunde (China aktuell, Südostasien aktuell, Japan – Wirtschaft Politik Gesellschaft), des Deutschen Übersee-Instituts (Nord-Süd aktuell) und der Übersee-Dokumentation (Ausgewählte neuere Literatur) wurde regelmäßig für ASIEN und die DGA geworden.
  • Regelmäßig jedes Semester werden Werbeplakate an die Hochschulseminare mit asienkundlichen Lehrveranstaltungen versendet.
  • Gezielt hingewiesen auf ASIEN und die DGA wurde auch in Institutionen wie dem Ost-West-Kolleg in Köln. Zur Unterstützung wurden Probeexemplare von ASIEN zur Verfügung gestellt.

Darüber hinaus wurden einerseits die Tagungen, zu denen die Gesellschaft eingeladen hat, und andererseits die Sprachkurse, die von ihr mitorganisiert werden, für die Mitgliederwerbung genutzt. So wurden zu den Fachtagungen der DGA jeweils über 200 Außenstehende eingeladen. Informationsplakate zu den Sprachangeboten werden jedes Semester an die Hochschulen verschickt.

3 Durchführung von Japanisch- und Chinesisch-Intensivkursen

Im Berichtszeitraum wurden in Zusammenarbeit mit dem Seminar für Sprache und Kultur Japans der Universität Hamburg insgesamt 6 Japanisch-Intensivkurse durchgeführt, je 2 der Stufen I, II und III. Die Kursgebühren sind seit 1989 mit DM 900, – (Studenten DM 700, -) gleichgeblieben. Die Kurse werden vom japanischen Generalkonsulat und der Studienstiftung des Deutschen Volkes empfohlen und von der Japan Foundation großzügig unterstützt.

DGA_MV_1996_Taetigkeitsbericht_1995-1996_Mitgliederentwicklung

Weiterhin wurden in Zusammenarbeit mit dem Seminar für Sprache und Kultur Chinas der Universität Hamburg insgesamt 4 Chinesisch-Intensivkurse durchgeführt, jeweils 2 Anfänger- und 2 Fortgeschrittenenkurse. Die Gebühr beträgt DM 1000, – bzw. DM 600, – für Studenten. Auch für die Indonesisch-Intensivkurse des Seminars für Indonesische und Südseesprachen der Universität Hamburg ist die Gesellschaft im letzten Jahr als Mitveranstalter aufgetreten. Obwohl das Seminar die Kurse inzwischen in eigener Regie durchführt, wurde vereinbart, daß die Gesellschaft auch weiterhin für diese Kurse wirbt. Die verschiedenen Sprach-Intensivkurse erfreuen sich unbestritten großer Beliebtheit. Es sei daher ausdrücklich den verantwortlichen Lehrkräften an der Universität gedankt.

4 Die Zeitschrift ASIEN

Seit der letzten Mitgliederversammlung erschienen 8 Hefte der Zeitschrift ASIEN, regelmäßig alle Vierteljahr. Die Zeitschrift wird derzeit in einer Auflage von 1050 Exemplaren gedruckt und an die Mitglieder sowie an 249 Abonnenten versandt. Weitere 70 Personen und Institutionen erhalten ASIEN kostenlos bzw. im Tausch. Die Zahl der Abonnements war mehrere Jahren stabil, ist in den letzten zwei Jahren allerdings leicht gesunken. Die Gründe dafür könnten sein, daß sich zum einen die Werbung auf die Gewinnung neuer Mitglieder konzentriert und zum anderen die „traditionellen“ Abonnenten, Universitäts- und Staatsbibliotheken, zunehmend von Haushaltskürzungen betroffen sind.

5 Vorstands- und Beiratssitzungen

Im Anschluß an die Mitgliederversammlung am 12. Mai 1995 fand die konstituierende Sitzung des Vorstandes statt, auf der Herr Hans Klein MdB, Vizepräsident des Deutschen Bundestages, zum Vorsitzenden der Gesellschaft und die Herren Dr. Werner Draguhn und Dr. Dieter Heinzig zu stellvertretenden Vorsitzenden gewählt wurden. In den Vorstand kooptiert wurden der Asienbeauftragte des Auswärtigen Amtes Herr MDg Karl Walter Lewalter und die für Asien zuständigen Referatsleiter VLR I Dr. Holl, VLR I Dr. Sommer und VLR I Staks. Auf der Sitzung wurden die Mitglieder und Sprecher der Wissenschaftlichen Beiräte der Gesellschaft bestimmt. Sprecher sind Frau Dr. Staiger (China), Herr Prof. Rothermund (Südasien), Herr Prof. Teichler (Japan-Korea) und Herr Prof. Rüland (Südostasien). Neu in die Beiräte aufgenommen wurden Frau Prof. Schädler und Prof. Herrmann-Pillath (China), Prof. Pascha (Japan), Prof. Carle (Südostasien) und Frau Prof. Baldauf (Südasien). Eine weitere Vorstandssitzung fand am 7. Februar 1996 in Bonn statt. Auf dieser Sitzung diskutierte der Vorstand über die Fortsetzung des Dialogs zwischen Wirtschaft und Asienwissenschaft sowie über ein mögliches Tagungsthema für eine wissenschaftliche Tagung im Herbst 1996.

6 Aktivitäten der Gesellschaft

6.1 Tagungen

Hauptaktivitäten der DGA im Jahr 1995 waren die Wissenschaftliche Tagung in Verbindung mit der Mitglieder- versammlung sowie die zum gleichen Termin durchgeführte Podiumsdiskussion zwischen Vertretern der Wirtschaft und der Asienwissenschaften.

  • Die Wissenschaftliche Tagung hatte das aktuelle Thema „Das neue Selbstbewußtsein in Asien: Eine geistig-kulturelle Herausforderung für den Westen“. Rund 120 Zusagen und 90 Teilnehmer spiegeln das große Interesse an der Thematik wider. Vier regionenübergreifende Vorträge befaßten sich mit der These vom „Zusammenprall der Kulturen“, mit der Demokratisierung und dem Menschenrechtsverständnis in Asien sowie mit der innerasiatischen Debatte zu den sog. asiatischen Werten. Drei weitere Vorträge behandelten die mögliche Stellung Indiens, Japans und der VR China in einer künftigen Weltordnung. Die Diskussion im Plenum war lebhaft. Die Beiträge wurden in überarbeiteter Form in der Mitteilungsreihe des Instituts für Asienkunde veröffentlicht.
  • Die Podiumsdiskussion stand unter der – zugegebenermaßen provokativen – Fragestellung „Braucht die deutsche Wirtschaft die Asienwissenschaften?“ Unter der Moderation von Herrn Behrens im Namen des Asien-Pazifik- Ausschusses der Deutschen Wirtschaft nahmen je drei Vertreter der Wirtschaft und drei Vertreter neuer, wirtschaftsnaher Studiengänge Stellung. Die Stellungnahmen sowie die anschließende Diskussion waren z.T. sehr konfrontativ. Die Veranstaltung dürfte aber dennoch ihr Ziel, auf die Notwendigkeit des weiteren Dialoges über die Möglichkeiten der Abstimmung von Studium und Beruf hinzuweisen, erreicht haben.

Die Podiumsdiskussion war das konkrete Ergebnis unserer Bemühungen, die DGA als Vertreterin der Asienwissenschaften im APA bekannt zu machen sowie andererseits die Asienwissenschaftler für die Möglichkeiten, die mit der Gründung des APA entstanden sind, zu sensibilisieren. Herr Dr. Draguhn hat im Herbst 1994 im Lenkungskreis „Aus- und Weiterbildung intensivieren“ des APA die DGA vorgestellt und war mit unseren Planungen für die Wissenschaftliche Tagung und die Po- diumsdiskussion auf große Zustimmung gestoßen. Auf einer Sitzung im September 1995 hat er dem Lenkungskreis weitere Vorschläge zur Zusammenarbeit unterbreitet, die ebenfalls zustimmend aufgenommen wurden. Sie wurden inzwischen vom APA gebilligt und in Form einer „Erklärung des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft gegenüber den Asienwissenschaften“ verabschiedet. In dieser Erklärung betont der APA seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Asienwissenschaften. Auf Initiative des Instituts für Asienkunde fand am 20. November 1996 im Hause des Deutschen Industrie- und Handelstages in Bonn eine Tagung zum Thema „Das asiatisch-pazifische Jahrhundert: Mythos – Bedrohung – Chance“ statt. Das Institut hatte – ähnlich wie im Jahre 1994 – den Asien-Pazifik-Ausschuß der Deutschen Wirtschaft gebeten, die Veranstaltung als seine eigene durchzuführen und dazu auch einzuladen. Der Vorteil bestand darin, daß die Trägerverbände des APA (der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Deutsche Industrie- und Handelstag und der Ostasiatische Verein) breitgestreut Einladungen an ihre Mitglieder verschickten. Die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde hat sich an der Vorbereitung beteiligt und alle Mitglieder zur Tagung eingeladen. In Vertretung ihres verstorbenen Vorsitzenden, Herrn Hans Klein, sprach Herr Staatssekretär a.D. Günter Diehl die Begrüßungsworte. Mit über 250 Anmel- dungen war das Ziel erreicht, einen großen Kreis von Vertretern der Wirtschaft, der Politik und der Wissenschaft zu einem zukunftsträchtigen Thema zusammenzuführen. An der Veranstaltung selbst nahmen etwas mehr als 200 Personen teil. Das Programm sah wie folgt aus:

  • Dr. Rüdiger Machetzki (Institut für Asienkunde, Hamburg): Das ostasiatische Wirtschaftswunder: Unverändert auf Erfolgskurs?
  • Prof. Dr. Manfred Pohl (Institut für Asienkunde/Universität Hamburg): Perspektiven für politische Stabilität und Frieden in Ostasien: Ist das Wirtschaftswachstum gefährdet?
  • Prof. Dr. Jürgen Rüland (Universität Rostock): Die ASEAN-Länder.- Auf dem Weg zur selbsttragenden Entwicklung?
  • Dr. Sebastian Heilmann (Institut für Asienkunde): Der großchinesische Wirtschaftsraum: Wirtschaftliche Verflechtung und politische Spannungen
  • Prof. Dr. Manfred Pohl (Institut für Asienkunde/Universität Hamburg): Ist das ‚Modell Japan‘ am Ende?
  • Dr. Rüdiger Machetzki (Institut für Asienkunde, Hamburg): Schlußwort

6.2 AccessAsia

1991 hat das National Bureau of Asian Research (Seattle, USA) erstmals AccessAsia: A Guide to Specialists and Current Research veröffentlicht, eine umfassende Datei aller Asienspezialisten in den USA. Ende 1995 hat sich ein Global Consortium gegründet, um auch die Asienspezialisten in Asien und in Europa zu erfassen. Im Zeitalter von Globalisierung und Internet soll diese Datensammlung die direkte Kontaktaufnahme ermöglichen und die Kommunikation zwischen Asienexperten in aller Welt erleichtern. In der Bundesrepublik Deutschland haben das Institut für Asienkunde, die Übersee- Dokumentation des Deutschen Übersee-Instituts und die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde diese Aufgabe gemeinsam übernommen. In die Datei aufgenommen werden kann jeder, der eine asienbezogene Lehr-, Forschungs- oder Beratungstätigkeit ausübt, beruflich im Bereich Asien (Politik, Wirtschaft, Medien) tätig ist oder Veröffentlichungen über Asien vorzuweisen hat. Mit Hilfe von Anzeigen und eines Schreibens an alle Mitglieder wurde für die Aufnahme in die Datenbank geworben. Bisher sind knapp 250 Antworten eingegangen. Sie wurden aufgenommen und Anfang April 1997 nach Seattle übermittelt.

6.3 Kontakte

Die Deutsche Gesellschaft für Asienkunde hat, vertreten durch ihren stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Draguhn sowie weitere Vorstands- und Beiratsmitglieder, u.a. im Rahmen der Tagung des Arbeitskreises für gegenwartsbezogene Forschung und Dokumentation über den süd- und ostasiatischen Raum (AGDA) am 19. November 1996 in Bonn, an Gesprächen teilgenommen, die sich mit der Lage der Asienwissenschaften in Deutschland befaßten. Ein Ergebnis dieser Gespräche ist die Podiumsdiskussion zum Thema „Die deutschen Asienwissenschaften an der Schwelle zum 21. Jahrhundert“, die im Rahmen der Mitgliederversammlung 1997 stattfindet.

7 Zur finanziellen Lage der DGA

Dank einer Reihe von Spenden, die im vergangenen Jahr eingingen, sieht die finanzielle Lage der Gesellschaft nicht schlecht aus. Die Mehrzahl dieser Spenden ist den Bemühungen unseres verstorbenen Vorsitzenden, Herrn Hans Klein MdB, zu verdanken, der u.a. an die Teilnehmer der Chinareise des Bundeskanzlers einen Brief gerichtet hatte, in dem er auf die Gesellschaft und ihre Aktivitäten hinwies. Der Status für die Jahre 1995 und 1996 (mit den Vergleichszahlen für die beiden Vorjahre) ist im Anhang angegeben. Die Erläuterung der Zahlen erfolgt durch Herrn Dr. Werner Draguhn, Stellvertretender Vorsitzender der DGA.

Anhang

Erklärung des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft gegenüber den Asienwissenschaften (Dezember 1995)

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